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Wenn erstmal…

Wenn erstmal

„Wenn erstmal“ haben sie gesagt. Wenn du deinen Abschluss in der Tasche hast, steht dir die Welt offen.

„Wenn erstmal“, habe ich mir auch oft selbst gesagt. Motivierend, in die Zukunft schauend, vielleicht auch, um einfach weiter machen zu können. Wahrscheinlich hätte ich sonst an manchen Tagen nichtmehr gewusst, wie ich die Hausarbeit jemals fertig bekommen soll.

Ein Studium bietet dir eine Grundlage für dein Berufsleben, es soll dich raus aus deiner schulischen Entwicklung in eine neue Dimension des Denkens bringen. Auch ich habe nach der Schule -kopfzerbrechend- mit möglichst vielen Leuten darüber geredet, welches Studienfach es denn jetzt sein soll. Aber mal ehrlich, wie oft saßen wir uns in der Mensa gegenüber und haben genau die gleichen Themen gehabt, gleiche Dramen über Hausarbeitsthemen. Bücher kann man oft nur online in weit entfernten Bibliotheken finden, Fernleihe- ein Spaß für sich. Referate vor hunderten von Leuten, frei gehalten natürlich. Dozenten mit den eigenartigsten Sprechzeiten, die kein normaler Student mit zusätzlichem Nebenjob einhalten kann. Nur soviel dazu. Und all diese gleichen Probleme, obwohl jeder ein anderes Studienfach hatte.

Wenn das Studium dann vorbei ist und du endlich diesen letzten Berg der Bachelorthesis erklungen hast, hast du dich dann auch manchmal gefragt was dich jetzt eigentlich von all deinen Kommilitoninnen und Kommilitonen unterscheidet?

Da sitze ich nun, mit meinem Abschluss auf dem Papier und schreibe brav Bewerbungen. Ich frage mich, ob es wirklich große Unterscheide machen würde, wenn im Lebenslauf  meine Universitäre Laufbahn mit einem anderen Fach besetzt wäre? Wahrscheinlich schon, wenn es keine Geisteswissenschaft wäre? Das angelesene Wissen über Denker, Geschichte und Theorien scheint sinnlos, vielleicht sogar völlig unnötig. Gequält habe ich mich, Texte in Englischer Sprache analysiert. Durchzogen waren diese allzu oft mit hochphilosophischen Wörtern, die weder Buch noch Internet-Lexika verraten wollten.

Wahrscheinlich ist es tatsächlich kaum von Bedeutung welches Fach es letztendlich geworden ist. Wichtig ist auch nicht, was nach dem „Wenn erstmal“ passiert. Stattdessen sollte man den Weg als Ziel sehen und leider merke ich oft erst im Nachhinein wie bedeutsam doch die kleinen Momente auf dem Weg waren. Die Referate, Hausarbeiten und auch die Gespräche bei denen man in der Mensa mit den Leidensgenossen zu gemeinsamen Lösungen kommen konnte. Denn schließlich geht es genau darum. Diese Herausforderungen werden im Berufsleben auftauchen, die Uni konnte uns formen und voranbringen. Wenn vielleicht auch die ein oder andere Klausur eher als „Bulemie-lernen“ durchging und der Inhalt eher zweitrangig war.

Vielleicht musste ich dieses „Wenn erstmal“ durchleben und … daran bin ich gewachsen, ihr könnt uns auf die Arbeitswelt loslassen und ich würde behaupten auch ein Student kann sich bei einem Unternehmen auf eine Ausschreibung „mit Berufserfahrung“ bewerben, denn die haben wir doch jetzt sowieso schon in der Tasche. 😉

Eure, EllaWine2

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